- 1: Einstieg.
- 2: Technik.
- 3: Evaluationen.
- 3.1: Hybrides Lernen.
- 3.1.1: Evaluationsgegenstand.
- 3.1.2: Fragebogen.
- 3.1.3: Testszenario.
- 3.1.4: Mehrwerte.
- 3.1.5: Gefahren.
- 3.1: Hybrides Lernen.
Erkenntnisse zu möglichen Gefahren
KONZEPT ALLGEMEIN Eine Mehrheit der dazu angeführten Argumente bezog sich darauf, dass die klassische Vorlesung schlicht weg bevorzugt wird. Vor allem die Begründungen, dass keine spontan auftretenden Fragen durch den Professor geklärt werden könnten, sondern auf die nächste Coaching-Sitzung gewartet werden müsste, überwiegt mit 19 Nennungen. Dabei ist zu erwähnen, dass die spontan auftretenden Fragen während einer klassische Vorlesung qualitativ nicht mit den Fragen, die in den Coaching-Sitzungen geklärt werden können, zu vergleichen sind. Die in den Coaching-Sitzungen gestellten Fragen, die aus einer intensiveren Auseinadersetzung mit den Lehrinhalten resultieren, können ein höheres Qualitäsniveau erreichen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein höheres Maß an Eigenverantwortung hinsichtlich der Beschäftigung mit den Lehrinhalten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass 19 weitere Nennungen die Eigenverantwortung und den dadurch subjektiv empfundenen Mehraufwand negativ erwähnen. Dafür mag es viele Gründe auf Seiten der Studierenden geben: Einerseits gibt es sicherlich eine gewisse Unerfahrenheit im Umgang mit selbstorganisiertem Lernen, andererseits ist eine passive Haltung gegenüber dem Bildungssystem zu erkennen, was aus der schulischen Vorerfahrung resultieren kann.
Die bisher genannten negativen Argumente sollten nicht einfach als nicht modifizierbar hingenommen werden, sondern vielmehr zu Vorschlägen anregen, wie man dem entgegenwirken kann. Die Kommunikation ist bei der Einführung neuartiger Konzepte anscheinend besonders wichtig, um den Lernenden die Vielfalt der gegebenen Möglichkeiten bezüglich des Lernprozesses transparent zu machen.
Jedem Studierenden sollte klar werden, welche verschiedenen Strategien innerhalb des Konzeptes möglich sind, um dann selbst zu entscheiden welche für ihn die beste ist.
Weiterhin sollten Mängel an der Qualität oder dem Inhalt der Lernmaterialien die mit 13 Nennungen vertreten sind, bei den Verbesserungen berücksichtigt werden. Dabei ist leider nur wenigen Äußerungen zu entnehmen, welche konkreten Verbesserungen daraus abgeleitet werden können. Einige Mängel wurden genauer spezifiziert, was in der Frage zum Podcast noch mal Erwähnung finden wird.
LIVE COACHING Interessant sind die Argumente zu den speziellen zu den Coaching-Sitzungen gestellten Satzergänzungsfragen, welche auf die Wichtigkeit der Sitzungen und dessen Nutzung zielten. Wie bei der Analyse der Mehrwerte bereits erwähnt wurde, muss der mit Abstand am häufigsten genannte Aspekt, dass keine Fragen mehr offen sind, nicht unbedingt als Gefahr verstanden werden. Es bleiben fünf negative Äußerungen, wobei drei davon dem Zeitfaktor zuzuordnen sind. Dabei wurden Gründe angeführt, dass eine zeitgleiche Blockveranstaltung und andere zeitliche Verpflichtungen den Besuch nicht zulassen. Die Tatsache, dass die Coaching-Sitzungen zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort stattfinden, scheint hier ein Nachteil für die Studierenden zu sein. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, könnte überlegt werden, die eineinhalbstündige Coaching-Sitzung auf zwei fünfundvierzigminütige Termine aufzuteilen. Eine Person kritisierte zudem den Zeitaufwand zur Vorbereitung. Die Rolle der Affekte und Emotionen in Zusammenhang mit dem selbstorganisiertem Lernen verdeutlichen die Äußerungen zweier Personen. Es gab genau einen Termin an dem Prof. Dr. K. Morisse nicht selbst anwesend war und durch einen wissenschaftlichen Mitarbeiter vertreten wurde. Diese einzige Ausnahme war für die Studierenden so salient, dass sie es folgendermaßen formulierten: »Für mich sind die Coaching-Sitzungen kein wichtiger Bestandteil, weil manchmal der Professor nicht selbst anwesend oder zum Teil nur ein Vertreter anwesend war.« Eine Person kritisierte die mangelnde Initiative seitens der Studierenden sowie des Professors. Mit insgesamt 50 positiven zu sechs negativen Nennungen werden die Gefahren der Coaching-Sitzungen allerdings relativiert.
PODCAST Die Gefahren des Podcasts resultieren aus den zu Frage 5 und 6 insgesamt 20 genannten Argumenten. Der Hauptkritikpunkt ist hierbei mit zwölf Äußerungen erneut die Qualität, wobei sieben Äußerungen eher unspezifisch sind und
generell besagen, dass »der Podcast nicht ausgereift« und »die Qualität schlecht ist«. Fünf Äußerungen geben hingegen konkrete Verbesserungsvorschläge, was den Zusammenhang zwischen Bild und Audiokommentar betrifft. Dabei sollten laut den Aussagen der Studenten vor allem Äußerungen, wie »hier sehen sie« vermieden werden. Ein weiterer Grund weshalb die Podcast nicht genutzt werden, wird damit begründet, dass laut fünf Aussagen das Arbeiten mit den zur Verfügung gestellten Folien bevorzugt wird. Dies stellt wiederum keine Gefahr dar, sondern kann dahingehend interpretiert werden, dass die Folien zur Wissensaufnahme ausreichen – dieses ist mit der individuellen Lernorganisation des Einzelnen in Zusammenhang zu bringen. Der letzte Grund, weshalb der Podcast nicht genutzt wird, ist erneut der Zeitaufwand, auf welchen sich drei Nennungen beziehen. Um die Gewichtung der Aussagen erkennbar zu machen, ist hier anzumerken, dass den negativen Äußerungen mehr als doppelt so viele positive Argumente gegenüberstehen.
FOLIEN Die Satzergänzungsfrage Nummer 7 ermittelt bei der negativen Ausführung Gründe, warum es nicht möglich ist, mit den zur Verfügung gestellten Folien problemlos und eigenständig zu lernen. Eine Kategorie stellt hier erneut die Mängel bezüglich des Inhalts und der Qualität in den Vordergrund. Erwähnenswert ist, dass den fünf negativen Äußerungen zwölf positive gegenüberstehen, welche die positiven Aspekte hinsichtlich der Qualität und des Inhalts betonen. Die anderen vier Argumente betonten die Länge und den Umfang der Folien, weshalb ein problemloses und eigenständiges Lernen mit den Folien nicht möglich sei.
ONLINE-CURRICULUM Jene Argumente, welche die elektronischen Prüfungsblätter als keinen wichtigen Bestandteil klassifizieren, beziehen sich mit drei Nennungen auf Qualitätsmängel. Diese genannten Kritikpunkte betrafen häufig »die nicht so klare« und »unverständliche« Frageformulierung. Zwei Personen gaben wiederum an, dass sie die VIPs als nicht wichtig erachten, da sie »leicht kopiert werden können« und »man in dem Skript nach Schlagwörtern suchen kann und diese einfach einträgt«. Diese beiden Nennungen wurden der Rubrik Selbsttäuschung eingeordnet, da sie bei derartiger Nutzung keine Lernzielkontrolle darstellen und auf mangelnde Eigenverantwortung zurückgeführt werden können. Außerdem kann durch den Usability-Test der Eindruck untermauert werden, dass eine gewisse Vorbereitung zum Ausfüllen der VIPs nötig zu sein scheint und diese nicht allein durch Schlagwortsuche lösbar sind. Eventuell erklärt dieser Selbsttäuschungsprozess auch die Anmerkungen zu den »unverständlichen« Frageformulierungen, da diese unter Umständen den Lösungsansatz allein mittels Wortsuche nicht zulassen. Hier ist besonders hervorzuheben, dass die VIPs die Funktion erfüllen soll, der mangelnden Selbstlernkompetenz der Studierenden entgegenzuwirken und somit das kontinuierliche Beschäftigen mit den Lehrinhalten zu fördern – diese möglichen Mehrwerte wurden ja auch von der Überzahl der Studierenden mit 31 Nennungen gewürdigt. Zusätzlich dient das Bonusprogramm der Motivation, welches unerwarteter Weise kaum Erwähnung fand.
Aus dem Großteil der negativen Antworten ist einerseits zu entnehmen, dass natürlich die Qualität an einigen Stellen optimiert werden kann. Andererseits sind manche Aspekte, wie die negativ bewertete Eigenverantwortung und die »Scheu« vor neuen Konzepten nur durch eine klare Kommunikation über die Mehrwerte für den Lernenden zu beheben. Studierende, die selbst nach ausführlicher Beschreibung der vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten und Freiheitsgrade dennoch skeptisch bleiben und an der klassischen Vorlesung festhalten, können vielleicht dadurch umgestimmt werden, dass ein gewisses Maß an Selbstlernkompetenz eine wichtige Grundlage für den weiteren Berufsweg bildet.

